PerlA – Nachbericht vom 05.04.2014 Teil II

Teil II:

Fortsetzung Nachbericht von PerlA am 05.04.2014:
Zitat Carsten Donath am Tag “danach”:
“Es war ein wunderbarer einzigartiger Tag mit vielen ehrlichen Gefühlen, klaren Worten, berührenden Begegnungen, erlebbarer Herzenswärme, viel Hoffnung und ganz viel Energie. Lasst uns zusammen den Weg gehen, um zu zeigen, was Menschen mit Autismus alles bewegen und erreichen können. Danke, dass ich dabei sein und Euch kennenlernen durfte. Dieses Fünkchen Hoffnung darf nicht wieder verlöschen”
Vielen Dank Carsten.
Die Eröffnungsrede von Herrn Bürgermeister Michael Kessler:
Sehr geehrte Frau Dünow,
Sehr geehrte Frau Adler,
Sehr geehrte Damen und Herren,
im Namen des Rates und der Verwaltung der Stadt Peine möchte ich Sie heute zum ersten Peiner Autismustag herzlich begrüßen.
Unwissenheit schürt Ängste. Noch mehr ist das der Fall, wenn es sich um Besonderheiten handelt, die nicht sofort sichtbar sind.
Ich freue mich, dass es eine Selbsthilfegruppe gibt die über Autismus informiert und betroffenen Eltern eine Stütze sein kann.
Autisten sind Menschen mit ein paar besonderen Eigenschaften, die für die Allgemeinheit eine Bereicherung sein können. Dabei sind Autisten so verschieden wie Menschen eben unterschiedlich sein können. Sie haben unterschiedliche Stärken, Schwächen, Begabungen und Interessen. Sie haben Gefühle, lieben ihre Familien und Freunde. Sie möchten geachtet und respektiert werden, genau wie Sie und ich.
Autisten erleben in der Regel nicht ihrem Autismus als schlimm, sondern die Intoleranz und die fehlenden Akzeptanz die ihnen in ihrem Umfeld begegnet.
Was Autisten nicht brauchen ist Mitleid.
Sie brauchen die Einsicht der Gesellschaft, dass nicht alle gleich sind und nicht jeder Mensch das gleiche leisten kann. Diese Einsicht kann bei der Gesellschaft erst entstehen, wenn Menschen aufhören zu vergleichen, zu bewerten und zu urteilen. Das ist noch ein langer Weg, auch wenn die Integrations- und Inklusionsgedanken mehr und mehr an Bedeutung gewinnen.
Ich höre oft: „Autisten haben keine Gefühle.“ Falsch kann ich da nur sagen. Autisten haben manchmal sogar intensivere Gefühle als andere.
Was ihnen schwer fällt ist die kognitive Empathie, das reine Wahrnehmen der Gefühle anderer anhand nonverbaler Signale. Also haben wir „Nichtautisten“ doch die Aufgabe, unsere Gefühle klar zu formulieren, anstatt mit Mimik und Gestik zu spielen und darauf zu hoffen, dass das Gegenüber es schon richtig interpretieren wird.
Eine breite Aufklärung über Autismus erachte ich als äußerst wichtig. Wir müssen miteinander reden statt übereinander und uns mit der Sichtweise der Autisten auseinandersetzen. Davon werden dann beide Seiten profitieren.
Autismus fällt schon im Kindesalter auf. Für Eltern stellt die Erziehung eines autistischen Kindes eine Riesenherausforderung dar. Die Kinder lassen sich nicht in den Arm nehmen, sprechen nicht oder nur wenig und suchen keinen Blickkontakt.
Sie entwickeln jedoch intensives Interesse in einzelnen Gebieten. Bei diesen Inselbegabungen entwickeln sie außergewöhnliche Fähigkeiten.
Sie sind oft nicht in der Lage soziale Kontakte aufzubauen, Unvorhergesehenes überfordert sie und nicht selten sind die Kinder aggressiv.
In der Pubertät kommt hinzu, dass sie merken „Ich bin anders“ und daraus ergeben sich dann weitere Schwierigkeiten. Nicht selten sind sie Opfer von Mobbing.
Allein den Rat eines Verhaltenstherapeuten einzuholen reicht natürlich nicht. Die Eltern und das weitere Umfeld müssen mit im Boot sein.
Eltern müssen z.B. lernen, wie sie mit den Kindern reden müssen. Autisten ist es nicht möglich, Metaphern oder Ironie zu verstehen. Dies ist ein schwieriger Lernprozess für „Nichtautisten“. Man muss sich vor Augen halten, dass Autisten Metaphern wie „Das ist ein heißes Eisen“ nicht umsetzen können.
Gern habe ich die Schirmherrschaft für die heutige Veranstaltung übernommen und ich wünsche mir, dass dem Startschuss, dem ersten Peiner Autismustag, noch viele Veranstaltungen folgen werden, die die Gesellschaft in die Lage versetzen Autisten zu verstehen.
Es wäre schön, wenn möglichst viele versuchen nachzuvollziehen, wie Autisten die Welt erleben. Nur das versetzt uns in die Lage Autisten zu akzeptieren und gleichzubehandeln.
Vielen Dank
Wir sagen vielen Dank an Bürgermeister Michael Kessler.

 

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